^Back To Top

foto1 foto2 foto3 foto4 foto5
foto5
Banner 15

News Flash

Wir freuen uns, Sie auf unserer neuen Homepage begrüßen zu dürfen!

Suchen

Sagen

Abt Berthold von Garsten

 

Berthold, sein Vater hieß Albert und seine Mutter Luitgarde, stammte aus dem Adelsgeschlecht der regierenden Grafen von Württemberg und waren verwandt mit den Babenbergern und Ottokaren. Berthold, der später so berühmte Abt von Garsten, war bis zum Jahre 1080 verehelicht mit Adelheid von Lechsmund. Als seine Gattin in noch jugendlichem Alter gestorben war, begab er sich in das Kloster St. Blasien im Schwarzwald, wurde Subprior, kam dann als Prior in das Kloster Göttweig, wurde dann von dem Markgrafen Ottokar VI., dem zweiten Stifter des Klosters Garsten, und den Mönchen ausgewählt und hielt im Jahre 1110 oder 1111 als Abt Berthold I. seinen Einzug in das Kloster Garsten. Kräftig mit Wort und Tat wirkte Berthold auf alle Menschen ein, verhinderte das Böse und verschaffte dem Guten überall Eingang. Von allen Gegenden zogen Pilger, hohen und niedrigen Standes, zu ihm, Belehrung, Trost und Hilfe zu erlangen; gebessert und getröstet begaben sie sich in die Heimat zurück. So flüchtete sich einst zu ihm der Raubritter Leo, der wegen seiner Verbrechen schon zum Tode verdammt war, das alte Asylrecht des Klosters in Anspruch nehmend. Berthold ließ ihm das Ordenskleid anlegen, nahm ihn als Mitglied des Stiftes auf und lieferte ihn den Gerichtsleuten nicht aus. Ein anderer Räuber namens Einwick, der bei Ausplünderung von Kaufleuten verwundet ins Kloster gebracht wurde, bekehrte sich, wurde Klosterbruder und führte dann ein beispielhaftes Leben.

Als im Jahre 1116, in jener Zeit des Investiturstreites zwischen Papst und Kaiser, der dem Oberhaupt der Kirche getreue Erzbischof Konrad von Salzburg vor dem Grimm des Kaisers Heinrich V. flüchtig, sich in Wäldern und Höhlen aufhielt und endlich nach Garsten kam, nahm ihn Berthold, nicht fürchtend die Rache des Kaisers, nur den unschuldig Verfolgten im Auge habend, gütig auf, bis er, wohl auf Bertholds Zutun, eine gesichertere Zuflucht auf der benachbarten Burg Ottokars VI., der Steyrburg, fand.

Daß von einem solchen bedeutenden Manne, der allen voranleuchtete, viele Legenden und Sagen im Umlauf waren und von Mund zu Mund gingen, ist begreiflich. So wird erzählt: Als einst der aus dem finsteren Waldtale, genannt "In der Höll", kommende Garstnerbach an der Südseite, wahrscheinlich nach starken Wolkenbrüchen, das Stift überschwemmte, befahl Berthold dem Bache, sich zurückzuziehen, und es geschah. Diese Legende ist so aufzufassen, daß jedenfalls Berthold die Ufer des Baches nachher erhöhen ließ und so den Bach in seine Schranken wies.

Fische kamen in Mengen auf sein Begehren herbei, den Bedürfnissen der Mönche zu dienen. Daher waren auch zwei Fische im Wappen des Stiftes. Selbst Kranke heilte sein Wort und böse Geister, wie es heißt, bannte sein frommer Spruch.

Als Abt Berthold, der an die achtzig Jahre alt geworden, im Sterben lag, standen die Mönche, denen er Zeit seines Lebens ein guter Vater gewesen, trauernd an seinem Sterbelager. Fieber und Durst quälten ihn. Mit schwacher Stimme bat er die Brüder, sie möchten ihm Wasser aus dem Brunnen im Klosterhofe bringen zur letzten Labe auf seiner Reise in die Ewigkeit. Zwei der Brüder holten Wasser vom Brunnen und setzten den Becher mit kühlem Trunk an seine Lippen. Der Abt nippte, setzte ab und sagte mit leiser Stimme: "Das meinte ich nicht, ihr lieben Brüder; Wasser, bitte, bringt mir." Die Brüder sahen sich verwundert an, denn sie meinten, der Sterbende rede schon irre. Doch sie holten noch einmal Wasser und gaben ihm zu trinken.

Abermals lehnte er ab und sagte: "Ihr meint es gut mit mir; aber nicht Wein aus dem Keller will ich, sondern Wasser vom Brunnen." "Wahrhaftig, hodtwürdiger Abt, es ist Wasser aus dem Brunnen, das Ihr wünschtet." Nun gingen alle Mönche mit den Zweien und schöpften Wasser aus dem Brunnen und brachten es dem Abt. Und zum drittenmale, als der Sterbende trank, war es Wein. Er dankte dem Herrn und pries ihn, daß er ihn beim Scheiden von dieser Welt mit Wein erquickte; denn das Wasser hatte sich in Wein verwandelt. Drei volle Züge tat der Sterbende, neigte sein Haupt und starb.

Noch einmal meldet nach 546 Jahren vom Abt Berthold die Sage:

Als am 4. Juni des Jahres 1686 die Gebeine des Abtes Berthold in eine Seitenkapelle der neuerbauten Kirche übertragen wurden, geschah etwas ganz Absonderliches. Die Wächter, die zur Nachtzeit um das Kloster girigen, erblickten mehr als einmal einen Mann in schwarzem Habit, wie ihn Äbte zu tragen pflegten, dahinwandeln, der jedoch, wenn sie an ihn herantraten oder mit ihm sprechen wollten, wieder verschwunden war. Es war nun alles klar, der Heilige habe jenen Schutz, den er sterbend dem Kloster mit den Worten: "Ich werde Euch nie verlassen!" verheißen hatte, offen kundgetan.

Quelle: Franz Harrer, Sagen und Legenden von Steyr, mit freundlicher Genehmigung vom © Wilhelm Ennsthaler Verlag, Steyr 1980, S. 84

 

Das feurige Manderl

 

Der Großeitzenberger, Bauer auf dem Sonnberg, Gemeinde Garsten - er lebt schon lange nicht mehr - ging einmal eines Ochsenhandels wegen hinüber nach Laussa. Es war ein heißer und schwüler Sommertag. Ein gutes Stück Weges war er schon gegangen; auf die Umwelt hatte er nicht geachtet, weil seine Gedanken bei dem bevorstehenden Ochsenhandel waren. Während dessen hatte sich, wie er auf einmal wahrnahm, über dem Sonnberg ein mächtiges Gewitter zusammengezogen. Schwarz war es am Himmel und unheimlich stille ringsum; kein Blatt regte sich an Baum und Strauch, kein Vogel sang, nur dumpf rollte der Donner. Jeden Augenblick konnte das Unwetter losbrechen.

Da kein Haus in der Nähe war, suchte der Bauer Schutz bei einer großen Eiche, die ganz allein mitten in einer Weide auf dem Sonnberg stand; unter dem breiten Blätterdach des Baumes wollte er das Gewitter vorübergehen lassen. Wie er so bei dem Baume stand, des Unwetters harrend, bekam er plötzlich einen "Steßer" in die Kniebeuge, nach einer Weile wieder einen und dann noch einmal einen, im ganzen dreimal. Es war, als ob ihn jemand gerne vom Baume weghaben wollte.

"Na", sagte der Bauer ärgerlich, "ich kann eh weggehen auch". Und verließ den Baum. Kaum hatte er sich ein Stück von ihm entfernt, da schlug schon der erste Blitz, dem ein kurzer, aber heftiger Donnerschlag folgte, in den Eichbaum ein. Gleichzeitig rannte ein kleines, feuriges Manderl vom Baume weg über die blumige Wiese, hin gegen den Wald wo es sich verlor. Dieses Manderl hatte den Großeitzenberger, wie er gerne erzählte, gewarnt und ihm das Leben gerettet, das er gewiß verloren hätte, wenn er beim Eichbaume stehen geblieben wäre.

Quelle: Franz Harrer, Sagen und Legenden von Steyr, mit freundlicher Genehmigung vom © Wilhelm Ennsthaler Verlag, Steyr 1980, S. 82

 

Der Tod als Fahrgast

 

Vor vielen Jahren, als die hölzerne Brücke über die Enns noch nicht bestand, die heute Lahrndorf mit Sand verbindet, wurde der Verkehr zwischen beiden Ortschaften mittels Zille bewerkstelligt. Der Fährmann, allgemein Förg genannt, wohnte in dem Häusel, das heute noch hart an der Enns, nahe der Brücke liegt und seit altersher das Förgenhäusel hieß und heute noch so genannt wird. Nachdem die Brücke errichtet war, wurde die Überfuhr eingestellt. Heute gehört das Förgenhäusel, vielfach erneuert und umgestaltet, zum herrschaftlichen Schloß Lamberg in Steyr; ein Jäger wohnt darinnen, der den Verkauf des Scheiterholzes, das aus den herrschaftlichen Wäldern dort auf dem freien Platze abgeladen wird, besorgt. Die Sage erzählt, daß vor vielen Jahren im Dambachtale eine pestartige Krankheit grassierte, die alle Menschen in dem engen Waldtale dahinraffte; nur einer blieb übrig und das war der Förg.

Eines Tages, ehevor die große "Sterb" anging, saß der Förg auf einer Bank bei seiner Zille am Ufer der Enns. Da gerade etwas Stille in seiner Überfuhrbeschäftigung eingetreten war, sah er mit Vergnügen den vielen blauweiß schimmernden Schwalben zu, die in schnellen Flügen über dem Gewässer der rauschenden Enns Jagd auf Mücken machten. Da meldete sich auf der Lahrndorferseite ein Mann, der über den Fluß gesetzt zu werden wünschte. Drüben mit seiner Zille angekommen, stieg ein fremder, vermummter, unheimlich aussehender Geselle in das Fahrzeug des Förgen und ließ sich über die Enns setzen. Als der schweigsame Fahrgast auf der Dambachseite ausstieg, fragte er den Förgen, was er schuldig sei. Da der Fragende ein "bsunderlöga" Mann war, getraute sich der Förg nichts zu verlangen und sagte: "Nichts". "Das ist dein Glück", sprach der Fremde, "sonst hättest du auch sterben müssen!"

Dann ging er davon, hinein in das Dambachtal. Bald darauf starben alle Leute in dem langen Tale längs des Dambaches, nur der Förg blieb übrig, sich erinnernd der Worte jenes seltsamen Fahrgastes, den er auf seinem schwanken Fahrzeug über die Enns gesetzt hatte. Es war der Tod gewesen.

Quelle: Franz Harrer, Sagen und Legenden von Steyr, mit freundlicher Genehmigung vom © Wilhelm Ennsthaler Verlag, Steyr 1980, S. 89

 

Die Bertholdi-Glocke in Garsten

 

Ein Federstrich des Kaisers Josef II. genügte, das eine halbe Stunde von der Stadt Steyr entfernte, große und berühmte, vom Markgrafen Ottokar gegründete Kloster Garsten nach 705 jährigem Bestand aufzulösen. Das war am 1. Mai 1787. Die vielen Mönche mußten die schöne und ihnen liebgewordene Stätte verlassen. Diese Tat des sonst so beliebten Kaisers wurde von der katholischen Bevölkerung im Tale der Enns nicht gerade freudig aufgenommen. Kostbare, in vielen Jahren gesammelte Einrichtungsstücke wurden weggebracht oder in andere Kirchen übertragen, so die schöne Orgel in die Steyrer Vorstadtpfarrkirche St. Michael. Vieles wurde verstreut und kam in unredliche Hände.

Nun wollte man auch die große Bertholdi-Glocke, die in einem der zwei mächtigen Türme hing und deren Klänge die Leute des Tales so gerne gelauscht, vom Turme herunternehmen; sie sollte fortgebracht und in eine Feuerspritze umgegossen werden.

Die Vorrichtungen zur Abnahme der Glocke waren aufgestellt, die Seile gespannt, um die schwere, vom Volk so beliebte Läuterin aus dem Glockenstuhl zu heben. Da versammelte sich die über ein solches Beginnen auf das äußerste aufgebrachte Bevölkerung vor der Kirche und schrie: "Dö Glock' ham wir herg'schafft, dö lassen ma nöt her; dö muaß drob'n bleib'n ön Turm!"

Ein Zimmermann aus Pesendorf, namens Leimpichler, ein großer, starker Mann, stand mit hocherhobener langstieliger Hacke vor den Männern, welche die Glocke herabholen wollten und sagte zornig: "Wir's no oan Ruck machts, hau i drein!" Angesichts der drohenden Haltung der Leute, wagten die dazu bestimmten Handwerker nicht, die Glocke vom Turme herunterzunehmen. Die Glocke blieb droben im Turm und ließ weiter ihr wohltönendes Geläute zur Freude der Bevölkerung in die Weite der Landschaft erklingen.

Quelle: Franz Harrer, Sagen und Legenden von Steyr, mit freundlicher Genehmigung vom © Wilhelm Ennsthaler Verlag, Steyr 1980, S. 88

 

Der Mann mit dem schwarzen Mantel

 

Lange bevor die Eisenbrücke erbaut war, die heute die Ortschaften Kraxental und Neuschönau verbindet, besorgte der Bauer Boiger in Garsten die Überfuhr und brachte die Leute mit einer Zille über den Ennsfluß, und zwar dort, wo der Fluß eine große Schleife macht, die im ländlichen Sprachgebrauch "Boig" genannt wird.
Eines Tages stieg bei der Boig, wo die Anlegestelle war, ein in einen schwarzen Mantel gehüllter, schweigsamer Mann mit einem unheimlichen Aussehen und Gebaren in die Zille des Boigers und ließ sich über die Enns setzen. Als sie in der Mitte des Flusses waren, stieg der sonderbare Geselle aus der Zille und ging auf dem Wasser zum jenseitigen Ufer hinüber.

Er überquerte die Eisenstraße, ging dann über den "Galgenhügel" in der Freising, hinauf den steilen Hang nach dem kleinen Örtchen St. Ulrich, das so idyllisch auf dem Berge liegt. Bald darauf brach die Pest aus, die viele Menschen in dem genannten Orte und in Unterwald wegraffte. Der sonderbare Mann in dem schwarzen Mantel ist der Tod gewesen.

Quelle: Franz Harrer, Sagen und Legenden von Steyr, mit freundlicher Genehmigung vom © Wilhelm Ennsthaler Verlag, Steyr 1980, S. 88

 

Die zwei Liachtln

 

Das Bauernhaus Pichler in Lahrndorf, Gemeinde Garsten, liegt auf dem Abhang eines Hügels, das Bauernhaus Zulehner liegt am Fuße dieses Hügels. An diese zwei Bauernhäuser knüpft sich eine Sage, die zu beweisen scheint, daß es früher einmal in bezug auf das Eigentum ein Gesetz, zumindest ein ungeschriebenes, gegeben haben muß, nach dem sich ein Bauer strafbar, wenigstens moralisch strafbar machte, wenn er sich Obst aneignete, das zwar auf seinen Grund gefallen, aber nicht ihm gehörte.

Es war vor mehreren hundert Jahren. Da standen auf dem besagten Hange Bäume, die alljährlich gute und schöne Äpfel trugen. Die Äpfel rollten, wenn sie reif waren und von den Bäumen fielen, den Abhang hinunter auf den Grund des Nambarn Zulehner. Dieser Bauer und sein Weib hätten die Äpfel gar so gern haben mögen; sie konnten sich die Äpfel nicht aneignen, weil sie dem Bauern Pichler gehörten. Nun setzte der Bauer Zulehner junge Bäume vor den Abhang hin, entnahm das Pfropfreis den Bäumen des Nachbarn Pichler ohne daß dieser davon wußte, und pfropfte es seinen Bäumen auf, damit er die gleichen Äpfel bekäme. Gewöhnlich zogen Nachbarn unter solchen Umständen immer verschiedene Sorten, damit sie die Frucht leichter auseinander kennen und deswegen nicht in Streit kommen konnten.

Als die jungen Bäume tragbar waren, sammelten die Zulehner­Leute fleißig ihre Äpfel und die Äpfel des Pichler, die den Abhang herunterrollten. Und sie freuten sich ihres Gewinnes.

Im Laufe der Zeit starben der Bauer Zulehner und sein Weib. Und alljährlich zur Herbstzeit erschienen immer zwei Lichtlein, die Nachts unter den Bäumen herumgaukelten und miteinander wispelten. Die zwei Lichtlein erschreckten die Leute so sehr, daß dort zur Nachtzeit niemand vorübergehen wollte. Die zwei Lichtln waren, wie die Sage erzählt, die Seelen des Bauern Zulehner und seines Weibes, die zur Strafe ihrer Habgier an dem Ort ihrer unschönen Tat ruhelos wandeln mußten, bis sie durch Gebet erlöst wurden.

Quelle: Franz Harrer, Sagen und Legenden von Steyr, mit freundlicher Genehmigung vom © Wilhelm Ennsthaler Verlag, Steyr 1980, S. 92

 

Der Teufel als Fuhrmann

 

Die längst verstorbene Großmutter einer Bäuerin in Dambach, Pfarre Garsten, erzählte gerne von jener uns heutigen so fremd anmutenden Zeit, da noch das Nagelschmiedgewerbe blühte; denn sie war die Tochter des Nagelschmiedes Angerer im Wildgraben, einem versteckten Seitengraben des Damberges. Diese Nagelschmiede besteht schon lange nicht mehr.

Das Angerer Everl wie die Großmutter in ihren jungen Jahren genannt wurde, mußte, so lange es noch nicht verheiratet war, fleißig in der Werkstatt mithelfen.

Eines Tages wurde das Everl zeitlich früh - es war noch finster­mit einem Binkel Nägel nach Steyr geschickt. Das Gewicht der großen Nägel, sogenannte "Zwecken", war nicht gering und das Everl hatte tüchtig zu schleppen; es wünschte sehr, daß ein Fuhrmann käme und ihm die Nägel auflegen ließe. Kaum gedacht, kam schon ein Fuhrmann hinter ihm her. Das Everl ersuchte ihn, ihm die Nägel auflegen zu lassen. Dieser sagte nicht ja und nicht nein, hielt aber doch an und das Everl legte die Nagelware auf den Wagen und kletterte auch selber hinauf. Kaum saß das Mädchen, trieb der Fuhrmann die Pferde an und dahin ging es in rasender Fahrt, daß dem Mädchen ganz angst und bange wurde. Als das rasend dahinjagende Gefährt zu der Stelle in der Freising kam, wo die Straße steil abfällt und das Mädchen sah, daß der unheimliche Fuhrmann gar nicht die Absicht hatte, der tollen Fahrt Einhalt zu tun, rief es erschrocken aus:

"Jesus Maria!" Im nächsten Augenblick saß das Mädchen mit dem Binkel Nägel mitten auf der Straße und das tolle Gefährt, eine scharfe Wendung machend, raste unweit des "G'richtsbühels" (Galgenhügel) "spießgrea" über die baumbewachsene, steile Leiten hinauf, wo es verschwand. Das war der Teufel mit seinem Fuhrwerk gewesen.

Quelle: Franz Harrer, Sagen und Legenden von Steyr, mit freundlicher Genehmigung vom © Wilhelm Ennsthaler Verlag, Steyr 1980, S. 77

 

Die Ketzer-Muttergottes

 

Eine halbe Stunde südwärts von Steyr steht am linken Ennsufer die große barocke, zweitürmige, ehemalige Klosterkirche, jetzt Pfarrkirche von Garsten, eine der schönsten Kirchen Österreichs. In einer der sechs Seitenkapellen dieser berühmten Kirche ist eingeschlossen in einem Glasschrein mit reichgeschnitzter vergoldeter Rokokoumrahmung auf hohem Postamente die schöne aus Holz geschnitzte frühgotische Figur der "Wunderbaren Muttergottes", vom Volke auch "Ketzer-Muttergottes" genannt, zu sehen. In sitzender Stellung, die Krone auf dem Haupte, das gekrönte Jesusknäblein auf ihrem Schoss, mit der Rechten das segnende Knäblein haltend, in der Linken das Szepter, so bietet sie dem Beschauer ein Bild lieblicher Schönheit dar.
Die Legende erzählt, dass im Jahre 1565 Bilderstürmer diese Muttergottes, die damals am Ende der sogenannten "Langen Mauer" ihren Platz hatte, von dem Postament rissen, mit ihr Hohn und Spott trieben und sie unweit der Kirche flussabwärts auf einer Wiese verbrennen und zerfetzen wollten, was ihnen aber, wie die Legende erzählt, beides nicht gelang. Wütend darüber warfen die Ketzer die Statue in die Enns. Das Bildnis schwamm, wie die Legende weiter erzählt, nicht flussabwärts, sondern flussaufwärts zur heiligen Stätte, zur Kirche, wo sie von Katholiken, die die widerliche Szene mit Abscheu verfolgt hatten, herausgefischt und in die Kirche gebracht wurde.
Beide Begebenheiten sind unten am Postament, auf dem die Ketzer-Muttergottes im Glasschrein sitzt, in zwei Bildern realistisch dargestellt. In dem ersten Bilde sind vier Männer eifrig damit beschäftigt, die Statue zu verunstalten und zu verbrennen. Die Statue liegt mitten in dem rot hochauflodernden Feuer. Einer dieser Wüstlinge hält mit beiden Händen hoch erhoben eine langstielige Hacke und ist im Begriffe, dem Bildnis einen Hackenhieb zu versetzen. Die drei anderen Kerle haben Stangen in Händen und schüren damit das Feuer. Im zweiten Bilde ist eine große alte Kirche zu sehen und der Ennsfluss, in dem die Statue, wie die Legende erzählt, flussaufwärts schwimmt.
Die verbrannten und zerhackenen Stellen dieser gotischen Statue sind restauriert und später mit einem neuen Holzmantel verkleidet worden.

 

Die Taufe von zwei Türkenkindern in Garsten

 

Als 1683 die Türken von Wien abzogen, wurde unter den zurückgelassenen Kindern auch Achmet und Hatti gefunden. Diese nahmen F.M.L. Franz Ferdinand Graf von Salburg und seine Mutter Sidonia Elisabeth zu sich, ließen sie unterrichten und brachten sie am 1. Mai 1686 nach Garsten zur Taufe. Abt Anselm nahm diese kirchliche Handlung mit größter Feierlichkeit vor. Graf Salburg und seine Mutter waren Paten. Der Knabe erhielt den Namen "Franz," das Mädchen den Namen Elisabeth. Dabei war der Zulauf von Menschen so groß, daß einer dem anderen auf den Achseln stand.

Quelle: Erzählungen und Volkssagen aus den Tagen der Vorzeit von dem Erzherzogthume ob der Enns, Ein Unterhaltungsbuch für Jedermann, Linz 1834, Faksimile Druck, Linz 1991, Seite 80

 

 

 

Footer

Copyright © 2019 VS Garsten. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.